Irdning 2010

Der nachfolgende Text ist, soweit ich mich erinnern kann, schon mal auf der so sehr vermissten Auswärtssieg-Seite erschienen. Die Bilder sind nicht so toll geworden, ich stell sie trotzdem mal dazu. Ist was aus nem Trainingslager, dass ich 2010 schrob. Vieles war da schon anders, also noch anders als jetzt, aber schön wars trotzdem. Irgendwie. Fand nur mein Auto nicht so toll, von bayrischen Hooligankarossen vermöbelt zu werden. Aber lest selbst.

 

Stress im Job, daheim ists auch nicht besser, den Kopp voll mit allem möglichen und unmöglichen, da hilft nur eins: Urlaub. Da ich nicht nur ein unverbesserlicher ewig Gestriger in Sachen Schalke, sondern auch eine Romantiksau bin, ziehts mich mal wieder (wie seit 25 Jahren) in die Berge. Mit dem Meer kann ich wenig anfangen, ich mag Landschaften nicht, wo man schon Samstags sieht, wer am Montag zu Besuch kommt. Die Wahl fällt auf die Dachsteinregion und zufällig ist ja auch Schalke da im Trainingslager.
Also besteige ich am frühen Freitag morgen gegen 4 den Tschechenblitz und düse über einige Zwischenstationen die knapp 800 km gen Irdning bzw. Gröbming, wo ich eine Woche meine Zelte aufzuschlagen beabsichtige. Das Quartier ist nix dolles, aber günstig, Internet hab ich leider keines, obwohl zugesagt. Macht fast nix, denn wirklich Zeit für sowas hätt ich eh nicht gehabt. Ich erreiche mein Zimmer mit Frühstück gegen 15:00 Uhr, werfe meine Sachen ab und verabschiede mich schon nach 45 Minuten wieder vom kopfschüttelnden Herbergsvater, denn schließlich steht am Abend schon das erste von 5 Spielen an, die ich hier besuchen werde. Auf meine Nachfrage, wie weit es denn wohl nach Zeltweg sei, wird das Kopfschütteln meines Gastgebers noch deutlicher, denn das „ist nicht mal eben um die Ecke“. Mein Navi gibt ihm Recht, ich wähle „kürzeste Strecke“ und sehe, dass es wohl noch mal knapp 2 Stunden Fahrt werden. Warum das so ist, erfahre ich nach knapp 20 km Fahrt, denn ein kapitales Hindernis stellt sich da in den Weg, der Sölkpass, landschaftlich wunderschön, aber eben sehr zeitaufwändig zu überfahren. Fluchen bringt nix, das beschleunigt den polnischen Sonntagsfahrerangsthasen vor mir kein bisschen, außerdem hab ich ja Urlaub. Also genieße ich die Aussicht und zockele mit Tempo 30 den Pass hoch, der Polenmercedes gibt bald deutliche Diesel-Rauchzeichen von sich, hinter mir hupen die Einheimischen, einfach herrlich. Ich entschärfe die Situation und mache ein Zigarettenpäuschen auf der Passhöhe, verpasse ich halt den Anstoß. Das Zigarettchen hilft, die Piste ist nun frei und ich gebe der Tschechenrakete die Sporen. Gegen 17:45 erreiche ich Zeltweg, eile zur Kasse, erwerbe eine Karte und gucke etwas belämmert, denn der Anstoss gegen die Weltauswahl aus dem Tal ist doch tatsächlich erst um 19 Uhr und nicht um 18 Uhr, wie ich die ganze Zeit glaubte. Also (wieder mal) mir völlig umsonst selbst Stress gemacht, das hört aber ab sofort auf, wie ich mir völlig glaubhaft versichere.
Ich erblicke einige bekannte Gesichter, die UGE ist stark vertreten. Eine Blaskapelle unterhält die Zuschauer und marschiert ins Stadion ein. Ich sage im Scherz zu Paki, hier werden wohl gleich die Nationalhymnen erklingen, als auch schon die ersten Töne des Deutschlandlieds heraufschallen. Ich glaube, in dem Moment hab ich Augen Marke Mesut gemacht, das hab ich auch noch nie erlebt.

S 04 – Auswahl Murtal 6:0
Das Spiel selbst ist von der Sorte „nicht der Rede wert“, Schalke überbietet sich im Auslassen von Großchancen, gefühlte 30 Ecken in der ersten Halbzeit. Ich werde von Minute zu Minute müder, das frühe Aufstehen und die vielen Kilometer fordern doch jetzt ihren Tribut. Beim Stand von 5:0 für uns beschließe ich, dass es für heute reicht, pfeiffe mir noch einen Kaffee rein und mache mich auf den Rückweg, diesmal aber über die Autobahn, geht deutlich schneller, obwohl es ein paar Kilometer mehr sind. Todmüde und nach einem weiteren Kaffeestopp erreiche ich gegen 23 Uhr mein Quartier und falle wie ein Stein in die Kiste.

Bilder Irdning 2010 Tag 1

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Der nächste Tag begrüßt mich mit strahlendem Sonnenschein und stellt mich vor die Wahl, zuerst zum Training zu fahren oder mich in die Natur zu stürzen. Ich entscheide mich für letzteres und lenke mein Fahrzeug Richtung Wörschach. Die hiesige Klamm soll es sein, so zum gemütlichen Anfang der Urlaubswoche. Wunderschön ist es, ich genieße das Laufen und bin schon nach 30 Minuten durch die Felsen gelaufen.
Ein unscheinbares Schild verspricht einen Weg zu einem See, der kommt mir gerade recht, denke ich. Nach nur 3 Stunden erreiche ich diesen auch tatsächlich, mannomann, das hatte ich eigentlich gar nicht vor, so weit und insgesamt fast 1000 Höhenmetern am ersten Tag. Spaß gemacht hats trotzdem und nach dem kniezerschmetternden Abstieg bin ich tatsächlich noch in der Lage, zumindest einen Teil des Nachmittagstrainings zu erleben. Während des Trainings wird Herr Metzelder auf besondere Art und Weise lautstark angefeuert, hat er sich hart erarbeitet. Das Wetter schlägt um, so stark, dass sogar das Training abgebrochen werden muss. Ein echtes Unwetter, auf der Heimfahrt fängts sogar an zu hageln und ich muss mein Auto unter einem Schleppdach in Sicherheit bringen. Nach kurzer Unterbrechung geht’s dann weiter, ich muss noch einmal die Luft anhalten, als sich eine Schlammflut über die Bundesstrasse ergießt und ich nur knapp durchkomme. Hinter mir wird diese dann von der Feuerwehr gesperrt. Später erfahre ich, dass diese Schlammflut ein Haus weggerissen hat und mehrere andere Häuser evakuiert werden mussten.

Bilder Irdning 2010 Tag 2

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Am Sonntag morgen ist das Wetter immer noch nicht so doll, außerdem habe ich Wade, Knie und Körper. Ergo fällt der Naturteil heute aus, bis auf einen kleinen Spaziergang am Mittag. Vorher gucke ich beim Morgentraining der Mannschaft vorbei und erblicke Effi nebst Matthias, die auch gestern angekommen sind. Die Mannschaft macht Intervalltraining, läuft fast eine Stunde um den Platz und muss auf Pfiff Sprints einlegen. Da schwitzt man schon beim Zuschauen. Erstaunlich, wer da so als erstes nicht mehr mitkommt und wer ganz vorne mithalten kann.
Matthias meint, dass es von seinem Quartier aus ja eine halbe Weltreise sei hier nach Irdning, obwohl er nur 8 km weg wohne. Tatsächlich hat man hier in dieser Woche beschlossen, dass alle Bahnübergänge renoviert werden müssen. Da wir unglücklicherweise auf der falschen Seite wohnen, wird aus einer eigentlich 10minütigen Fahrt durch die offiziell ausgeschilderte Umleitung eine halbstündige Reise. Glücklicherweise hat die freundliche Bierfachverkäuferin am Trainingsplatz mir tags zuvor eine Abkürzung verraten. Also biete ich Effi und Matthias an, nach Trainingsende vorauszufahren und die Geheimnisse der hiesigen Abkürzungswelt mit ihnen zu teilen, so bin ich halt. Wir fahren hintereinander durch Orte, die ich wahrscheinlich ohne die Abkürzung nie zu Gesicht bekommen hätte. Als wir uns der offiziellen Bundesstraße nähern, bremse ich ab, bleibe stehen, um mich den Vorfahrtsregeln entsprechend in den Verkehr einzufädeln. Matthias ist aber von der Abkürzung so begeistert, dass er mir zum Dank einen kleinen Schubs gibt, sicher damit ich schneller nach Hause komme, freundlich und hilfsbereit wie er ist. Leider verkraftet das meine blöde Ostblockkarre nicht und verformt ihre Heckschürze, undankbare Schrottkiste, elende. Ich steige aus und fange an zu lachen, die Situation ist aber auch zu blöde. Matthias ist kreidebleich, murmelt etwas von „29 Jahre unfallfrei und dann so was“. Wir machen Fotos, ich beruhige Matthias, der mittlerweile auch lachen muss. Wir verabreden uns für den Abend zum Spiel und machen Zeiten aus, wer wann die Strecke fährt. Bin eigentlich mehr auf den Verlauf der Veranstaltung nach dem Spiel gespannt, im Vorfeld habe ich Berichte aus Borkum gehört, die sich alles andere als gut anhörten.
Das Spiel am Abend ist einfach grottig und wird durch ein Tor entschieden, dass von der Qualität her genau zum Spielverlauf passt. Edu zielt freistehend genau auf den Torwart von Jagiellonia Białystok und dem rutscht der Ball durch die Hosenträger. Naja, dann mal auf zum „Feierabend“.
Dieser soll in einem eigens dafür aufgestellten Zelt stattfinden, organisiert von einer Eventagentur, die zufällig von einer Dame geleitet wird, die wohl nicht ganz unbekannt in Schalker Führungskreisen ist. Na denn, rein ins Zelt, das schon gut zur Hälfte gefüllt ist. Am Eingang bekommen wir von jungen einheimischen Damen Lebkuchenherzen umgehängt, auf denen der Anlaß des Events vermerkt ist. Wir suchen uns einen Tisch ganz hinten, um der Musik zu entgehen, die schon mit beachtlicher Lautstärke durch das Zelt dröhnt, aber nur ein Vorgeschmack dessen ist, was uns noch erwarten wird. Eifrige Bedienungen schwirren um die Tische und liefern Speis und Trank, sogar die Erstattung des Eintrittsgeldes klappt reibungslos. Effi und Matthias bestellen, was die Karte an Labung hergibt, scheint aber nicht so dolle zu schmecken. Auf den Tischen befinden sich tatsächlich Ausdrucke mit dem Text unseres Vereinsliedes, wie wir zu unserer Erheiterung feststellen. Später jedoch ist Schluß mit heiter, denn die Ausdrucke werden tatsächlich genutzt.
Die Show beginnt, Rolf und Arndtie sind auf der Bühne und bedanken sich artig bei den anwesenden Honoratioren des gastgebenden Vereins und des Dorfes. Die Moderation durch die sehr professionelle Ansagedame hat ungefähr den Charme einer mittaglichen Talkshow der Randgruppenfernsehsender. Sie kündigt jetzt die Band an, die nach ihrer Aussage schon in Borkum die Massen begeistert haben soll. Tatsächlich macht die Combo wirklich qualitativ handwerklich gute Musik, die aber leider zu Schalke genauso gut passt wie AC/ DC in eine Show mit Carolin Reiber. So richtig Stimmung kommt da nicht auf, der Sänger, der mich an meinen Schulfreund „Zottel“ erinnert, gibt alles, die Haare fliegen, er will die Hände sehen, will das Publikum zum Mitsingen bewegen. Gelingt nicht, ist aber auch egal. Schalkelieder hat die Kapelle leider nicht drauf, ist aber auch zu viel verlangt an so einem Abend, an dem es eigentlich um die Fans gehen sollte und nicht um professionell dargebrachte Musik. Nicht falsch verstehen, die Jungs waren wirklich gut, aber irgendwie völlig deplatziert. Zottel gibt wirklich das letzte, läuft quer durchs Zelt und versucht Stimmung zu erzeugen, die aber immer noch nicht so wirklich aufkommt.
Zwischendurch läuft eine der Hostessen durch die Menge und sammelt Fragen ein, die dann unserem Trainer nach dessen Erscheinen auf der Bühne gestellt werden sollen. Komisch, denke ich, wieso müssen die denn vorher gesammelt werden, wieso kann man das denn nicht „live“ machen, Funkmikros sind jedenfalls vorhanden. Als dann der Felix auf der Bühne ist, verstehe ich das Ganze besser, denn alle ausgewählten Fragen sind unkritisch, harmlos und so schon hunderte Male gestellt und gehört, an Banalität kaum zu übertreffen. Das Einsammeln hätte man sich also durchaus sparen können, Matthias und ich feixen um die Wette, denn genau das hatten wir so erwartet, sogar 90% der Fragen exakt vorhergesagt. Dann darf auch noch das „Quotenkind“ auf die Bühne und mit dem großen Meister höchstselbst reden, rührend.
Es ist soweit, die Mannschaft kommt. Die Jungs verteilen sich im Zelt, jeder mit einem Packen Autogrammzetteln in den Händen, die sie an die Leute verteilen. Fotos werden gemacht, einige der Spieler schaffen es anfangs nicht mal aus dem abgesperrten VIP-Bereich so richtig heraus. Herr Metzelder hat anscheinend einen Exklusivvertrag mit den Kollegen von der BILD, denn er ist damit beschäftigt, den Herren fleißig Interviews zu geben. Hier und da stört ihn dabei ein Fan, so wie es aussieht. So richtig mit ihm reden konnte da keiner.
Über all diesen Begebenheiten dröhnt Musik in einer Lautstärke, die es schlicht unmöglich macht, sich normal zu unterhalten. Hinterher habe ich aus mehreren unabhängigen Quellen erfahren, dass genau das so beabsichtigt war. Der DJ hatte diesbezüglich klare Anweisungen und hatte mehrfach mit dem Hinweis darauf Bitten abgelehnt, das Inferno doch zu beenden.
Mittlerweile ist es uns durch Vermittlung von Anne gelungen, Tore Reginiussen und Kyriakos Papadopoulos an unseren Tisch zu lotsen. Effi ist natürlich höchst erfreut und schreit sich mit Kyriakos auf griechisch an. Der hat sichtlich Spass dabei, bewertet die Lebkuchen mit „Das ist schlecht, schmeckt nicht“ und albert mit dem Tore. Dabei entdecken sie unseren japanischen Neuzugang und lotsen ihn mit „Ey, Uschi, come here“ ebenfalls an unseren Tisch. Er setzt sich brav neben mich und ich versuche ihm auf englisch zu erklären, dass „Uschi“ in Deutschland ein Mädchenname ist. Sein Englisch ist ungefähr so gut wie mein Japanisch (nein, Scherz, aber schwierig ists trotzdem) und so entwickelt sich eine lustige Konversation. Ich lerne die korrekte Aussprache seines Namens und teile ihm mit, dass Matthias und ich ihn seit gestern schon einfach „Atze Uschi“ nennen. Das scheint ihm zu gefallen und er möchte nun wissen, was denn „Atze“ so auf Deutsch bedeute. Ich erkläre, dass Atze beispielsweise ein Comedian in Deutschland ist, worauf er mit großen Augen fragt: „Is he very famous?“ Das bejahe ich und er scheint damit höchstzufrieden, denn er lächelt noch mehr als schon die ganze Zeit.
Lukas Schmitz scheint Gefallen an den einheimischen Hostessen gefunden zu haben, denn er verbringt die meiste Zeit im Smalltalk mit ihnen im Eingangsbereich. Gegen 22 Uhr ist anscheinend Zapfenstreich, denn auf einmal müssen alle Gespräche beendet werden und die Jungs verabschieden sich. Ratzfatz geht’s in den Bus und weg sind sie, was bleibt, ist immer noch die total nervtötende Musik. Mir reichts dann auch an diesem Punkt und ich verlasse den Ort Schalker Glückseligkeit mit sehr gemischten Gefühlen, kannte ich doch aus Erzählungen den Ablauf solcher Veranstaltungen, als diese noch von Fans für Fans organisiert wurden. Ich erspare mir an dieser Stelle irgendeine Wertung dieser Veranstaltung. Ich hatte jedenfalls an diesem Punkt die Schnauze voll.

Bilder Irdning 2010 Tag 3

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So voll jedenfalls, dass ich am nächsten Tag auf das erste Training verzichte und mal wieder die Bergeinsamkeit suchte. Es geht 100km weiter südlich auf die Nockalmstraße, diese hatte ich in einem früheren Urlaub schon „entdeckt“ und mir den Besuch vorgenommen. Ich werde von den Versprechungen, die die Internetseite versprach, nicht enttäuscht, im Gegenteil, traumhaft ist es hier oben und ich erklimme 2 Berge, von der Besteigung des zweiten fehlt mir der fotografische Beweis, denn die Batterien meines Fotoapparates gaben ihren Geist auf, Ersatz hatte ich klugerweise dabei, noch klugererweise allerdings im Auto liegengelassen.

Das Training am Nachmittag schaffe ich dann doch noch geradeso. Ich unterhalte mich mit vielen Leuten über die Veranstaltung am Vortag, die Meinungen gehen nicht weit auseinander. Ich erfahre auch noch, dass Heiko den Verein verlassen hat, heute nach dem Frühstück. Muss er selber wissen, was er will, die kolportierte Ablöse finde ich persönlich einen schlechten Witz. Was solls, eigentlich lohnt es sich doch gar nicht, sich über sowas aufzuregen, also lass ichs bleiben, ist viel zu schön hier.

Bilder Irdning 2010 Tag 4

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Dienstags hat sich der Wettergott für einen wolkenlosen Tag entschieden, also geht’s endlich mal rauf auf den Hausberg von Gröbming, den Stoderzinken. Mit dem Auto geht’s auf knapp 1800m hoch, den Rest mache ich zu Fuß, einfach großartig. Teilweise habe ich den Eindruck, plötzlich in Mittelerde gelandet zu sein, so schön ist es hier oben. Wundervolle Rundumsichten gabs und einen tollen Blick vor allem aufs Dachsteinmassiv. Leider gab wieder meine Kamera auf dem Berg den Geist auf, dreimal dürft ihr raten, wo die Ersatzbatterien lagen. Ich bin ja soooo klug.

Gleich kommt Gandalf um die Ecke
Am Nachmittag gibt es ein Fußballtennisturnier der Mannschaft, die Jungs haben viel Spaß. Besonders Baumi ist richtig ehrgeizig, ihm gelingen echte Kabinettstückchen. Der Junge macht mir echt Laune, ich hoffe, Magath sieht das genauso. Zu beobachten ist, dass der Trainer ihm gegenüber besonders kritisch zu sein scheint. Hoffentlich lässt er ihn nur spielen, denn grade auf der Position braucht man halt Erfahrung.

Bilder Irdning 2010 Tag 5

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Mittwochs steht dann kein Training in Irdning an, die Mannschaft hat abends ein Spiel in Linz. Ich entscheide mich für die Mitfahrt im Bosch-Bus, die Jungs bieten die Fahrt für 20 Euronen pro Nase an, billiger kannst du als Einzelner nicht hin und zurückkommen. Abfahrt ist um 11, so bleibt mir morgens noch schön Zeit, 3 Stunden zu laufen. Ich entscheide mich für die Donnersbachklamm, die ist ganz in der Nähe von Idrning. Schön kühl ists hier, genau das Richtige vor einem langen Tag.

Gegen halb elf bin ich wieder in Irdning, hier ist schon der Großteil der Busfahrer versammelt und pünktlich um 11 geht’s auf nach Linz. Es ist der heißeste Tag bis jetzt, die Stadt ist schön, wir hauen uns am Hauptplatz ins Cafe Glockenspiel, das hat nämlich blauweiße Sonnenschirme. Warum das so heißt, wird schnell klar. Das Glockenspiel spielt zu merkwürdigen Zeiten immer verschiedene mehr oder weniger schöne Melodien. Wir beschließen zum Stadion zu laufen und treffen auf dem Weg die Jungs von Schalke-TV, die auch erst heute zum Spiel gebeten wurden, seltsam.
Am Stadion hat schon ein regionaler Sender seine Bühne aufgebaut und dröhnt die paar schon anwesenden Fans mit überlauter Musik zu. Das Ambiente kennt man mehr oder weniger schon von unseren Fanparks, viele Sponsoren werben mit mehr oder weniger originellen Aktionen. Der Radiomoderator auf der Bühne ist eine echte Nervensäge, andauernd faselt er was von „Weltklassemannschaft zu Gast“, „Meister der Herzen“, „großartiger WM von Metzelder“ und ähnlichem Müll. Dirk wird auf die Bühne gerufen, kann da so einiges mal richtigstellen und sagt der Nervensäge durch die Blume, dass er ein ahnungsloser Welcher ist. Bravo. Dirk darf auch nachher im Stadion moderieren. Die Mannschaft trifft ein, Magath kommt extra mit nem Auto, wird auf der Bühne belanglos wie immer interviewt. Die Mannschaft läuft über die Bühne, wird von Nervensäge vorgestellt, wir haben plötzlich 2 Ivan Rakitics, ist auch schon wurscht.
Das Stadion selbst ist eine große Baustelle, hier wird mächtig erweitert. Die Ausschilderung zum Gästebereich ist erbärmlich und beschert uns einen 2km-Marsch einmal rund ums Stadion durch Wohngebiete, die Staatsmacht ist hier wenig hilfreich und weist uns zielbewusst den komplett falschen Weg. Mir brennen die Füße, als wir endlich den Block, der hier Sektor heißt, erreichen. Das Spielfeld sehen wir zur Hälfte durchs Netz, die andere Hälfte durch die Plexiglastrennscheibe, hinter der auch jetzt Effi und Matthias auftauchen. Denen hat man wohl beim Einlass auch schon übel mitgespielt, wie Matthias später berichtet. Die schlechte Sicht ist aber heute kein Problem, denn unser Spiel passt sich nahtlos an den Tag an. 2 Tore von Edu, eines sehr schön, das andere unter gütiger Mithilfe des Torwarts. Schalke spielt schwach und gewinnt, Unnerstall leistet sich 2 Klopse, die die Ösis aber durch Unvermögen nicht ausnutzen können. Wir verlassen das Stadion nach 80 Minuten und sind froh, endlich im Bus zu sitzen, der uns gegen 23:15 wohlbehalten in Irdning abliefert.

Bilder Irdning 2010 Tag 6

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Am letzten Tag in Irdning lasse ich mal wieder das Vormittagstraining sausen und genieße noch einmal die herrliche Natur. Ich entscheide mich für den Nationalpark „Wilde Wasser“ in einem Seitental von Schladming. Hier erlebe ich einen herrlichen Wasserfall, einen steilen Aufstieg, Natur pur und Touristenmassen. Ich frage mich beim wirklich steilen und schmalen Anstieg zu den Fällen, warum man sich sowas antut, wenn man kaum noch laufen kann und sichtlich echte Schmerzen hat. Ich selbst komme nach 250 Höhenmetern auch an meine Grenzen, denn als nächstes stünde eine Hängebrücke in 50m Höhe zur Überwindung an, die ich mir von unten ansehe und dann entscheide, doch wieder abzusteigen und noch ein paar Kilometer im Tal zu machen.
Am Abend ist dann noch ein Spiel angesagt in Schladming gegen Burgas. Fredi Bobic hat da wohl schon gekündigt, wie ich erfahre, allerdings ist Balakov noch da, der zu berichten weiß, dass Raul wohl definitiv zu uns kommen wird. Naja.
Als ich allerdings den Gegner den Platz betreten sehe, muss ich schon schmunzeln. Hierher hats also unseren Jochen Seitz her verschlagen auf seine alten Tage. So sieht man sich wieder, den einzigen, den er noch zu kennen scheint von uns, ist Matthes Schober. Im kleinen Stadion ist der Andrang groß, man hat extra eine Zusatztribüne installiert, auf der ich das Spiel zusammen mit Detto verfolge. Wir registrieren, dass Seitz jetzt rechter Verteidiger spielt, genauso wie unser Baumi in Halbzeit 2 (übrigens gar nicht so schlecht, harmoniert mit Farfan recht gut). Das Stadion oder besser der Sportplatz hat noch eine Besonderheit aufzuweisen, eine Ecke mit der Überschrift „Südkurve“, wo wohl die älteren Honoratioren ihre Stammplätze haben. Wir gewinnen verdient 2:0, die Tore machen Baumi mit einem Pfund in den Winkel und Ivan per Freistoß.
Das wars dann für mich hier in der Steiermark, ich verabschiede mich von den ganzen Leuten, die ich kennenlernen durfte, die noch hier sind und ebenfalls morgen nach Hause reisen. Schön wars.

Bilder Irdning 2010 Tag 7

Auf der letzten Etappe meiner Tour will ich noch das Spiel in Gera mitnehmen, also geht’s gegen 6 schon los ab Gröbming. Auf dem Weg nach Gera will ich einen Abstecher in den bayrischen Wald machen, liegt quasi auf dem Weg. Ich bin kaum 3 km gefahren, als mein Handy klingelt und mir mein Herbergsvater mitteilt, dass ich mein „Laiberl“ vergessen hätte. Ich stutze einen Moment und überlege, was er meinen könnte, ich hatte doch gar nicht um ein Brot gebeten. Als er dann erklärt, er meine mein „Schalke-Laiberl“, geht mir ein Licht auf. Ich hatte mir abends ein Trikot für den Spielbesuch rausgelegt und es prompt vergessen. Also nochmal fix umgedreht und mein Laiberl geholt, ich bin ihm echt dankbar.
Das Wetter schlägt während meiner Fahrt um, die Temperaturen gehen runter und es tröpfelt hier und da. Als ich die Heimat von Klaus Fischer erreiche, sind es nur noch 15 Grad und es nieselt. Der große Arber, den ich noch erklimmen wollte, hüllt sich leider komplett in Nebel. Also streiche ich diesen Teil und mache noch fix einen Abstecher in die Heimat meines fahrbaren Untersatzes.
Ich erreiche Gera gegen 17 Uhr, parke und marschiere zum Stadion. Leider treffe ich hier niemand Bekanntes bis auf die Jungs vom SFCV. Nach einem Rundgang durch den Park betrete ich das altehrwürdige Stadion der Freundschaft, das mit einem mehrfarbigen Rasen aufwarten kann. Ich schaue beunruhigt zum Himmel und schon bald fallen die ersten Tropfen. Mist, die Regenjacke ist im Auto. Ein Spielmannszug der Bergleute unterhält die Zuschauer, lustige Hüte haben die auf, erinnern mich irgendwie an einen Laurel und Hardy-Film. Dieser Spielmannszug verzögert auch noch den Anpfiff, außerdem regnet es jetzt richtig. Innerhalb von 3 Minuten bin ich klatschnass, verdammt. Ich quäle mich noch bis zum 2:0 und entscheide dann, dass ich doch komplett bescheuert bin, wenn ich mir das hier noch länger antue, schließlich habe ich noch 300 km vor der Nase bis nach Hause. So verlasse ich Gera und beende meine Woche mit Schalke. Auf der Heimfahrt gibt Petrus nochmal alles, es regnet so stark, dass ich nur noch mit 60 über die Autobahn schleichen kann. Gegen 23 Uhr komme ich endlich an und falle wie ein Stein ins Bett.

Bilder Irdning 2010 Tag 8

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So, das wars von meinem Ausflug mit Schalke. Insgesamt ein absolut gelungener Urlaub, den ich jederzeit wiederholen würde. Ich habe viele neue Menschen kennenlernen dürfen, die Schalke sehr intensiv leben und genauso verbohrt sind wie ich selbst, was das eine oder andere Thema angeht. Viele Geschichten und Anekdötchen wurden erzählt, es wurde viel gelacht, 5 Spiele hab ich gesehen.
Fazit: Kraft getankt, Kopp freigekriegt, wieder einmal das alte Schalke gefunden, das man so vermisst. Danke dafür.

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