Klassenfahrt zum Tittisee

… Schwarzwaldmädels, hier kommen die Großstadtbuben. So sangens weiland die Crackers in den 80ern, und unter diesem Motto starten Achim und ich unsere diesjährige „Asi-Tour“, gen Freiburg solls gehn und zufällig spielen auch noch die Schalkers da. Ich weiß, ich weiß, Freiburg liegt nicht am Titisee, weder ich noch Achim sind Großstadtbuben (der ist noch nicht mal ein echter Hesse), aber so ein bisschen Klassenfahrtfeeling kommt bei den Planungen dann doch auf. Der Rest der Fähton-Kruh fährt zwar auch zum Spiel, jedoch beabsichtigen die Beiden, im Mercure-Hotel vor Ort zu übernachten und am nächsten Tag noch einen Abstecher ins Elsass zu machen, um dort die Wein- und Schnapsvorräte Frankreichs erheblich zu dezimieren. Nobel geht die Welt zugrunde, aber is ja auch fürn guten Zweck.

Die Fahrt überhaupt erst ermöglicht hat uns eine liebe junge Dame aus dem fernen Osten, die sich mit unermüdlichem Einsatz für uns um Stehplatztickets gekümmert hat und diese in Bochum auch bekam, danke, Jule! So also planen Achim und ich, fast ganz auf uns alleine gestellt, mutig und akribisch die ungefähr 350 km lange Fahrt mit Nahverkehrszügen der deutschen Bahn. Schnell stellen wir fest, dass das wohl nicht so einfach ist und doch das ein- oder andere Umsteigen beinhaltet. Gottseidank hat Achim auf den letzten Drücker noch Verstärkung besorgt (nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Ernst N.), so dass wir jemand Erwachsenen dabei haben, der ein klein wenig auf uns aufpassen kann. Also werden die Verbindungen abgesprochen und ausgedruckt, für mich gehts bereits um 5:51 Uhr zu Hause los. Mich begleiten 7 Halbliter-Gebinde feinsten Pilses aus dem Westerwald, wundervoll eingefasst von bestem deutschen Weißblech, stilvoll eingepackt in eine Plastiktüte.

Der Frühzug entpuppt sich als eine bessere S-Bahn mit dermaßen unbequemen Sitzen, dass ich bereits nach 10 Minuten schon nicht mehr weiß, wie ich sitzen soll. Ergonomisch ist anders. Das Ding schimpft sich Regionalexpress, hält aber an jeder Milchkanne und braucht so für die Strecke nach Frankfurt über anderthalb Stunden. Dort haben wir den Treffpunkt vereinbart, im örtlichen Burgerking soll gefrühstückt werden, zumindest was feste Nahrung angeht. Flüssig habe ich das bereits getan, 2 von den Dosen habe ich bereits aus Langeweile und zum Entsetzen einiger Mitfahrer vernichtet. Auf halber Strecke erhalte ich eine SMS von Achim mit dem Inhalt „Pfump!“. Aha, er frühstückt also auch schon, kein Wunder, ist ja auch schon fast 7 Uhr. So gestärkt erreiche ich pünktlich den Treffpunkt und wir nehmen ein wenig feste Nahrung zu uns. Curry meldet sich, ist spät dran, will direkt zum Gleis kommen und bestellt Kaffee nebst Brezeln bei uns. Eigentlich war ja geplant, dass der sich um uns kümmert, geht ja gut los. Wir besorgen das Bestellte und machen uns auf zum Gleis, um vor der Weiterfahrt nach Mannheim Manitou noch ein Rauchopfer darzubringen.

Dort angekommen, wirkt das unglaubliche Charisma von Achim wie ein Aphrodisiakum auf die anwesende Damenwelt. Er wird sofort angesprochen von einem Mädel, das so aussieht, als habe es die letzten 3 Nächte mit nem Frosch gepokert. Mit einem seltsamen Dialekt, der verrät, dass sie wohl aus der Richtung kommt, wo wir hinwollen, fragt sie, ob sie auf unserem Ticket bis Karlsruhe mitfahren darf. Achim ist geblendet von ihrem Charme und sagt natürlich sofort zu. Die Nachfrage nach ein bisschen Kleingeld wimmelt er allerdings gekonnt und ein wenig brüsk ab. Die junge Dame erzählt eine wilde Geschichte von einem Discobesuch, einem geplatzten Internetdate und einer angeblich geklauten Geldbörse und fängt schon am Bahnsteig an, mich ein wenig zu nerven. Gottseidank taucht da Ernst auf und es wird Zeit, den Regionalexpress zu besteigen, der diesmal auch seinen Namen verdient und gottseidank ein wenig bequemer ist als der vom Morgen. Wir erledigen im Zug kurz das Finanzielle und dezimieren die Biervorräte weiter, die sich jetzt schon als völlig unzureichend herausstellen.

Nach einer Stunde ist die Quadratstadt erreicht und wir machen uns auf zum Nachbargleis, zum Anschlusszug. Hier treffen wir auch die ersten Schalker, die schlauer als wir sind und den ICE genommen haben. Die werden 2 Stunden vor uns da sein, toll. Der nächste Zug sieht genauso aus wie der vom Morgen, mein Rücken jubiliert schon vor dem Einsteigen. Unsere Damenbegleitung verabschiedet sich Richtung Klo, ich schreibe sie schon ab, aber sie kommt tatsächlich pünktlich vor Abfahrt wieder zurück. Wir besteigen das Gefährt der badensischen Rückenfolter und die mittellose Discoqueen ist schon wieder in Richtung Abort unterwegs, seltsam. Als sie nach 5 Minuten wieder auftaucht, überrascht sie uns mit der Frage, ob wir wüssten, woher die Bahn das Wasser für die Toiletten nimmt, das würde so seltsam schmecken. Oha, die hat wohl wirklich keine Kohle und löscht ihren Durst auf seltsame Weise, ein angebotenes Bier lehnt sie aber (gottseidank) ab. Unsere Vorräte sind nämlich aufgebraucht und so fiebern wir der Ankunft in Karlsruhe entgegen. Ich überlege, ob wir diese Schlagzahl halten oder überleben können, ohne das Spiel zu verpassen, bin aber schon in einem Stadium, wo es mir fast egal ist. Wir bekommen ein paar besorgte sms, wie es uns denn ginge und ob wir noch leben würden, was die alle bloß von uns denken? Lisa ruft sogar bei Achim an, sie ist erleichtert, uns in bestem Zustand anzutreffen, was man ja von ihr momentan leider nicht behaupten kann, sie musste die Tour ganz sausen lassen. Wird schon wieder, gute Besserung!

Wir erreichen Karlsruhe, wo wir einem 40minütigen Aufenthalt haben werden und verabschieden uns von unserer Damenbegleitung, seltsamer Vogel war das, da sind wir uns einig. Ebenso einig sind wir uns, dass der guten Taten für heute genug getan sind und wir uns nun aufs Wesentliche konzentrieren wollen. Also wird nach einem kleinen Imbiss der örtliche Kwik-E-Mart besucht und der hiesige Apu um ein paar Dosen Bier aus Bremen erleichtert. Hier in Karlsruhe sind auch schon deutlich mehr Schalker unterwegs und auch deutlich mehr Staatsmacht. Das macht sich beim Betreten des Bahnsteigs bemerkbar, wo das anwesende Schalker Jungvolk unnötigerweise recht hart behandelt wird. Die Jungs hatten weder randaliert noch gepöbelt, lediglich ein wenig Bier ist auf dem Bahnsteig gelandet, trotzdem werden sie angegangen, als hätten sie gerade den halben Bahnhof zerlegt, verstehen muss man das nicht. Tut auch der Schaffner im Zug nicht, er sagt zurecht, dass IM Zug wie immer die Polizei fehlen würde. Die würde sich darauf beschränken, die Jungs auf dem Bahnsteig anzumachen und er habe dadurch dann im Zug den Ärger, weil die sich dann im Zug Luft machen würden. Kann man zumindest nachvollziehen, diese Sichtweise.

Die vorletzte Etappe führt uns nach Offenburg und je weiter wir nach Süden kommen, desto weniger Schnee ist zu sehen, lediglich auf den Hügeln des nahenden Schwarzwalds ist noch Weiß zu sehen. Im Abteil treffen wir ein paar nette Jungs, die uns aus Mitleid tatsächlich ein halbes belegtes Brötchen anbieten, weil uns so langsam aber sicher ein Hüngerchen plagt. Wir lehnen dankend ab, das Brötchen sah dann doch nicht so vertrauenserweckend aus und ich habe keine Lust, die Zugtoilette näher kennenzulernen, so rein körperlich. Verbotenerweise wird dann im Zug noch eine geraucht, stört anscheinend aber auch keinen.

In Offenburg reicht die Zeit nicht mehr, das aufgebrauchte Dosenbier zu ergänzen, macht aber auch nix. Wir erreichen Freiburg überpünktlichst um 12:50, prima, hat ja nicht mal 7 Stunden gedauert. Freiburg empfängt uns mit frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein, ist man gar nicht mehr gewohnt. Ich bin kurz damenhaft orientierungslos und erkundige mich bei der Staatsmacht, wo und wie es denn von hier aus weitergeht. Der nette Beamte mit der noch netter anzusehenden Beamtin schickt uns auf die Hochbrücke am Bahnhof und mir fällt es wie Schuppen aus den Haaren: Hier warste doch schon mal. Richtig, genau hier wars anno 2005, als wir nach unserem 3:2-Sieg das Mädel trafen, dass als Aufgabe ihres Jungesellinenabschieds diverse Sachen wie Schlüpfer, Socken, Kondome und Süßkram verkaufen sollte. War sehr lustig, Hinten rechts und Matthias werden sich gerne erinnern, erstand er damals doch genau wie ich ein Hanuta, dass seine besten Zeiten schon hinter sich hatte und, sagen wir mal, etwas zäh schmeckte. Die Linie 1 erscheint, wir müssen bis zum Römerhof fahren, wie uns die Beamten mit auf den Weg gaben.

Kaum haben wir den letzten Abschnitt unserer Hinfahrt angetreten und die proppenvolle Bahn bestiegen, lässt Ernst auch schon seinen Charme spielen. Wir müssen stehen und kommen so in Kontakt mit einem Freiburger Mädel, das Ernst sofort in Beschlag nimmt. Die Fahrt führt durch das wunderschöne Freiburg, in dem sich schon die seltsamst gewandetenen Gestalten tummeln. Ich hasse Fasching, Karneval, Fasnacht, Fasenacht oder wie auch immer das irgendwo heißt. Menschen, die nur an bestimmten Terminen urplötzlich die lustigsten Gesellen sind und den Rest des Jahres zum Lachen in den Keller gehn. Derlei merkwürdige Menschen werden uns auch noch auf der Rückfahrt en masse begegnen. Ernst hat es auf der kurzen Strecke tatsächlich geschafft, der Freiburgerin ihre Telefonnummer zu entlocken und sich nach dem Spiel noch mit ihr zu verabreden.

Nach nicht allzu langer Fahrt in der zum Schluss überfüllten Bahn erreichen wir den Römerhof und machen uns auf dem Weg zum Stadion. Dort angekommen laufen wir, wie kann es anders sein, zuerst den N5ern in die Hände, klappt ja besser, als man es hätte absprechen können. Ich erledige noch eine Kartenangelegenheit und bin froh, ab sofort nichts komplizierteres mehr als Biertrinken und Heimfahren auf der Agenda zu haben. Es gibt das Grüne Zeug, das Achim manchmal gerne trinkt und wir nehmen das Angebot dankend an, ebenso wie die angebotene Büchse Bier, fast wären wir nämlich schon unterhopft. Wir sehen, dass die Busfahrt der N5er wohl auch kein Zuckerschlecken war, einige sehen schon etwas mitgenommen aus. Auch hier am Stadion und schon an der Straßenbahnhaltestelle fällt uns das enorme Polizeiaufgebot auf, wir findens übertrieben, ich kann mich nicht erinnern, dass es mit Freiburgern schonmal erwähnenswerten Ärger gegeben hätte.

Der noble Rest der Kruh meldet sich telefonisch und wir beschließen die Wiedervereinigung im nahen Biergarten am Sportheim, wo wir schon 2005 so nett gespeist und noch netter getrunken haben. Dort erwarten uns erfreulicherweise nicht nur Hinten rechts und die weltbeste Fahrerin, sondern auch die Saarländer Mädels B&B. Hinten rechts erkennt unsere Unterzuckerung und besorgt erstmal frisch Gezapftes, eine echte Wohltat nach all den Dosen. So gestärkt brechen wir auf Richtung Gästeblock und treffen am Einlass Effi und Matthias, verlieren sie aber direkt wieder, weil die Beiden Richtung Tribüne müssen. Achim beschließt, dass wir schon zu lange trocken liegen und präsentiert stolz einige Biere, die erstaunlich gut schmecken, sich aber zu seiner Bestürzung als alkoholfrei entpuppen. So ein Mist.

Der Stehblock ist schon  gut gefüllt und wir ergattern noch ein paar einigermaßen erträgliche Plätze in der Blockmitte, die Sicht ist allerdings eher bescheiden, dafür waren die Tickets günstig.  Das Badnerlied wird gespielt und ich frage mich, wie viele Vereine dieses Liedgut eigentlich noch verwenden wollen, können die sich alle kein eigenes Vereinslied leisten? Naja egal. Die Aufstellungen werden angezeigt und ich stelle erfreut fest, dass Baumi sein Startelfdebüt geben wird und weniger erfreut, dass Farfan nur auf der Bank sitzt. Dementsprechend läuft dann auch die erste Halbzeit, Rafi bemüht sich rechts, man merkt deutlich, wie ihm Jeff vorne fehlt, da geht erstmal garnix. Dafür gehts einmal über links mit Baumi, dessen wunderschöne Flanke Käwwin leider nur an den Pfosten setzt. Verdammt. Ansonsten findet Schalke so gut wie garnicht statt und hat auch noch Glück, dass der vielleicht zukünftige Schalker auf der Gegenseite nur die Latte trifft.

So gehts in die Halbzeit und wir befürchten schon Schlimmeres, gut, dass die Freiburger offensiv so schwach sind. Die zweite Halbzeit beginnt dann mit einem Paukenschlag: Kopfball Matzello, der heute schon der Turm in der Schlacht ist, an die Latte und die Schalker jubeln, wir auch, denn wir denken alle, der ist drin, aber nix da, weiter gehts. Sehen konnten wir von uns aus nix, ham wir uns wohl vertan. Allerdings fangen jetzt unsere Handys an zu protestieren, von überall kommen sms, dass das Ding wohl klar drin war. Nochmal verdammt, aber wat solls, sind ja noch über 40 Minuten Zeit. Farfan kommt und bringt neuen Schwung, der Junge ist so richtig aufgeblüht und momentan unersetzlich. Der Rest des Spiels gestaltet sich recht einseitig, Käwwin und Benni haben noch 2 Hundertprozentige, Freiburg kommt überhaupt nicht mehr zu einer Chance.

Der Schiri pfeift mitten in unserem letzten Angriff ohne Nachspielzeit ab, sehr seltsam. Später wird in der Presse zu lesen sein, dass weder Marcello noch Felix oder ein anderer aus unserer Mannschaft dem Schiri einen Vorwurf macht, find ich klasse. Das ist wahrer Schalker Sportsgeist, da macht es Spaß, irgendwo dazuzugehören. Hat sich alles sehr positiv entwickelt. Die Mannschaft wirkt enttäuscht, uns gehts genauso, grade wenn man die anderen Endergebnisse so sieht, hoffentlich rächen sich die bis jetzt auswärts verlorenen Punkte nicht in der Endabrechnung noch. Andererseits ist es doch toll, dass man überhaupt von verlorenen Punkten sprechen kann, weil wir jeweils die klar bessere Mannschaft waren. Die Jungs machen Spaß und an Baumi werden wir noch viel Freude haben, glaub ich.

Wir verabschieden uns vom Rest der Kruh und B&B und verlassen das Stadion, voller Hoffnung, doch noch die frühe Rückfahrgelegenheit zu erwischen, die uns eine erträgliche Heimkehrzeit ermöglichen würde. Leider spielen da Ernsts Hormone nicht mit, er will unbedingt noch seine Freiburger Eroberung treffen. Er verschwindet und wir warten auf ihn bei den Gästebussen, wo auch feixend die auftauchen, von denen wir uns eben erst verabschiedet haben, dumm gelaufen. Nach 15 Minuten taucht Ernst wieder auf und es kann endlich zum Bahnhof gehen, eine kleine Chance sehe ich da noch. Dauert allerdings nur ein paar Minuten, am Römerhof ist ziemliches Chaos, es dauert nochmal 15 Minuten, bis wir eine Bahn erwischen. Hinter uns nervt beim Einsteigen einer vom Typ Megagutmensch, man solle doch alles nicht so verbissen sehn, wär doch egal, jetzt ne Bahn oder später, als seine Frau ihn betrogen hätte, wäre er auch so locker geblieben, man könne es ja doch nicht ändern etc. Achim wechselt die Gesichtsfarben, ein schlechtes Zeichen für den Typ denke ich, als wir endlich die Bahn fast als letzte betreten können und die Nervensäge draußen bleiben muss. Hatter definitiv Glück gehabt.

In der Stadt sind mittlerweile noch mehr seltsam gewandete Gestalten unterwegs, habe ich schon erwähnt, wie sehr ich Karneval hasse? Wir erreichen den Bahnhof pünktlich, um genau 10 Minuten zu spät zu sein und lassen Ernst wissen, wie sehr wir ihn deshalb nicht mögen. Er beschwichtigt uns mit dem Ankauf von weiteren Dosen des leckeren Biers aus Bremen, allerdings hat er das in einem Drogeriemarkt erstanden, dementsprechend körperwarm ist es dann auch. Bevor wir uns aufs Gleis begeben, wird noch der Bahnhofs-McD geentert zwecks Entleerung und anschließender Befüllung, denn auch heute halten uns keine dementsprechenden Verbote auf. Am Bahnsteig bezwinge ich erstmal den mächtigen Big Rösti, das tut gut, denn wir haben seit 11 nichts festes mehr gehabt, wie uns grade aufgefallen ist. Am Bahnsteig treffen wir auch noch Tamara, die in die andere Richtung fährt, Richtung Schweiz zu ihrer Schwester und nicht nach Hause hinter die Baumschule. Nach der sehr notwendigen Stärkung besteigen wir den Zug gen Offenburg, wo wir gerade noch so an der Treppe drei Sitzplätze ergattern. Das Bier taugt nicht dazu, Ernst so ganz zu verzeihen, denn es hat fast Tee-Temperatur und will so garnicht richtig runter. Kann aber auch daran liegen, dass wir einfach mal genug haben, obwohl das doch eher unwahrscheinlich sein muss.

Mit uns im Zug befinden sich eine Menge junger Fußballfans aus der Gegend, ein paar vom anderen Verein, darunter ein ehemaliges Schickeria-München-Mitglied, welches wohl nach deren Aufstieg sein Freiburger Herz entdeckt hat, aber immer noch Bauernfan ist oder so. Richtig verstanden haben wir das nicht, der Typ nervt auf jeden Fall nicht nur uns. Wir beschimpfen ihn ein bisschen, aber er traut sich nicht zu einer Diskussion und hält Abstand, ist sich aber nicht zu blöde, nach dem Aussteigen rumzupöbeln, was willste auch erwarten. Um mich über sowas zu ärgern, bin ich mittlerweile auch zu müde und auch ein wenig ob unseres Ergebnisses enttäuscht.

Über Heidelberg, wo wir uns mit dem Umsteigen beeilen müssen, gehts wieder zurück nach Karlsruhe. Auf dem Bahnsteig angekommen bekomme ich eine sms von Matthias, in der er schreibt, dass die beiden schon in Montabaur sind, er im Radio wohl nochmal gehört hat, dass der Ball klar drin war und er einen dicken Frust schiebt, den nicht mal ein gutes Essen bekämpfen kann.

In Karlsruhe haben wir wie auf der Hinfahrt 40 Minuten Aufenthalt und beschließen, zur Aufmunterung einen Kaffee einzuwerfen. Die Kaffeebar am Bahnhof, die leckersten Lavazza versprach, schließt aber grade ihre Pforten, Pech gehabt. Die Rettung ist aber einmal mehr das Bahnhofs-McD, das ein angeschlossenes McCafe bietet. Auf dem Weg dorthin begegnet uns eine Combo in Faschingstrachten, bewaffnet mit Schifferklavier, Rasseln und Trommeln und machen auf gute Laune, grmbl. Nix wie weg hier und bitte viel Koffein, das bekommen wir dann auch. Ich gucke in die Auslage und erblicke optisch herrlich aussehenden Käsekuchen, der kommt mir grade recht, mein Lieblingskuchen. Das brauch ich jetzt einfach, obwohl die Zeiger der Uhr tatsächlich schon 21 Uhr heucheln, das wird jetzt mal schön verdrängt. Achim schließt sich mir kuchenmäßig an und wir werden nicht enttäuscht, der schmeckt tatsächlich so gut wie er aussieht, lecker, hätte ich jetzt so nicht erwartet im McD. Der Kaffee bringt auch die Lebensgeister wieder zurück und wir machen uns auf zum Gleis, nicht ohne noch einen Blick oder vielmehr ein Ohr auf die gar lustige Musikanten-Combo zu werfen. Die spielen (und singen!) jetzt den Schnee-, Schnee-, Schnee-, Schneewalzer und zwei von denen tanzen den auch. Ach wie goldig, kann ich momentan garnicht drauf und bin mir nicht zu schade, ein halblautes „Halt die Fresse“ dazulassen. Genutzt hats nix. Die nächste sms von Matthias kommt, die sind doch tatsächlich schon zu Hause. Der hatte wohl wirklich Frust und muss geflogen sein, ich beneide ihn darum, denn vor mir liegen mindestens noch 4 Stunden Fahrt.

Von Karlsruhe aus gehts diesmal nonstop nach Frankfurt, allerdings mal wieder in einem Zug der Marke Rückenkracher, mir ist jetzt schon klar, dass ich das Sonntag bezahlen werde, schleppe schon die ganze Zeit ne Entzündung mit mir rum. Wir sind alle müde und werden zusehends einsilbiger, selbst das letzte noch vorhandene Bier will nicht mehr rein, das will was heißen. Und noch einmal nervt eine lustige Faschingstruppe, die unterwegs zusteigt, verkleidet in selbstgemachte Kimonos oder so. Gott sind die gut drauf und so herrlich lustig.

Wir erreichen Frankfurt um 23:50, Ernst verabschiedet sich, er wird hier wieder abgeholt. Für Achim und mich ist die Tour auch noch nicht zu Ende, es geht erst um 0:30 weiter, also was tun? Ich muss nochmal Körperflüssigkeit entsorgen und Achim empfiehlt mir – was auch sonst – den Bahnhofs-McD. Ich folge seinem Rat und sage dazu für die Lesergemeinde nur soviel: Macht das nicht, wenn ihr um die Zeit alleine unterwegs seid. Achim kichert sich eins und wir beschließen, noch einen Scheidebecher in Form eines Kaffees zu uns zu nehmen. Das tun wir in Höhe des Bahnsteigs, wo meine letzte Bahn für die Tour grade bereitgestellt wird. Dreimal dürft ihr raten, welche Qualität das Gefährt hat, genau, wieder eine der Marke südmongolische Rückenfolter, was Achim mit schallendem Gelächter quittiert, geht eben nichts über richtig gute Freunde. Wir verabschieden uns, er muss zu seiner S-Bahn Richtung Taunus und ich besteige das Instrument der Qualen. Kaum eingestiegen, begrüßt mich der freundliche Zugführer mit der Ansage, dass „sich die Abfahrt des Zuges wegen der Aufnahme von Anschlußreisenden um ca. 15 Minuten verzögern wird“ Na bravo, hat mir grade noch gefehlt, dazu kommt, dass die Bahn heillos überfüllt ist und ich mein Fahrwerk auf Minimalposition einfahren muss, bewegen is nicht. Als ich sehe, auf was wir da gewartet haben, schwillt mein Hals noch mehr an, sind das doch tatsächlich Fans der Unsäglichen aus dem Süden, die wohl aus Wolfsburg kommen. Ich ziehe die Jacke zu, um nicht als Schalker erkannt zu werden, kein Bock auf irgendwelche Diskussionen mit dem Dummvolk.

Auffallen tut mir auch ein junger Mann, der schrecklich pinkeln muss, die Zugtoilette aber wohl verschlossen ist. Da er aus Klein-Linden kommt und somit nur eine Station vor mir aussteigen will, hat er da noch ein ganzes Stück vor sich. Das Ganze gipfelt darin, dass er vor lauter Nervosität in Bad Nauheim kurz den Zug verlässt, um frische Luft zu schnappen, sich die Zugtüren schließen und er auf dem Bahnsteig stehend zurückbleibt. Schallendes Gelächter im Zug, seine Kumpels kriegen sich nicht mehr ein, wird entweder noch ne lange Nacht für ihn oder ne teure Taxifahrt, denn das hier ist bis um 5 der definitiv letzte Zug in unsere Richtung. Mein Rücken schreit mittlerweile, gottseidank haben mich meine Mitreisenden am Platz hier verlassen und ich kann mich endlich mal wieder etwas entfalten. Ich erreiche Gießen gegen 1:45, dort werde ich von meiner schwer begeisterten Frau abgeholt und bin um 2:15 dann endlich zu Hause.

Fazit: Auswärts ist geil wie immer, aber ich werds nicht mehr so weit machen mittem Asi-Ticket, für so nen Quatsch bin ich zu alt. Für 350 km 7 Stunden Fahrt in Zügen, die gesundheitsschädlich sind, abartig. Früher konnte ich das mal besser ab. Aber schön wars trotzdem, irgendwie.

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