Mittersill 2017 oder: Dahinten wird’s schon heller!

China-Reise, pah! Die hat uns terminlich so Einiges versaut, nämlich 2 Tage in Mittersill. Wir verlassen uns bei der Buchung voll auf die Homepage unseres glorreichen Vereins und buchen, sobald der Termin feststand. Hintendran legen wir wagemutig unseren Jahresurlaub und planen die Verlegung ins Urlaubsquartier für den Sonntag. So verpassen wir ein Spiel, zwei Trainings und jede Menge gutes Essen, was daran das Schlimmste gewesen sein dürfte. Aber der Reihe nach.
Wie abenteuerlich so eine Anreise sein kann und dass wir den Welcome Abend und den Folgetag fast verpasst hätten, kam so:
In den Tagen vor der Abreise aus Burscheid muckte das allzeit zuverlässige famose Büchermobil der angetrauten Buchhändlerin nämlich, ungewöhnlicherweise. Eine Warnlampe für eine Motorstörung meldete sich, diese entpuppte sich nach einem Check als eine Fehlermeldung für den Sensor des Partikelfilters dieseler Art. Die Werkstatt des Vertrauens der Angetrauten checkte das Mobil daraufhin durch, löschte den angezeigten Fehler und versicherte uns, dass nix passieren könnte, eventuell müsste besagter Sensor nach dem Urlaub getauscht werden.
Wir fahren also gemütlich Sonntag morgen los, ich überlege noch kurz, die A 61, A 5 und A 8 zu nehmen, weil da immer weniger los ist, entscheide mich aber für den Vorschlag des Navis, welches die A 3, A 9 und dann die A 8 empfiehlt. Sonntagmorgen um 4, kann nix los sein, denke ich und folge dem elektronischen Wegeausdenker. Fehler, der Verkehr ist schon bei Köln dicht, bei Frankfurt noch dichter und bei Würzburg ganz dicht. Also die 15 Extrakilometer in Kauf genommen und kurzerhand auf die A 7, weil da nie was los ist. War auch nicht, dafür leuchtet plötzlich die ominöse Warnlampe wieder unheilsdreuend. Macht nichts, ist ja der bekannte Fehler, der nicht so schlimm ist. Dummerweise gesellt sich fix eine zweite dazu, der Partikelfilter höchstselbst ist es, wie ich bei einer Rauchpause mit einem Blick ins Bordbuch feststelle. Dieser sei aber leicht zu beseitigen, wie das schlaue Buch verspricht, nämlich indem man einfach nur ein bisschen hochtourig fährt, dann müsse der verschwinden. Also werfe ich das Büchermobil an, drehe mal etwas höher im 4. Gang, aber nix passiert. Die Lampe verspricht weiterhin Unheil. Ich fahre weiter, wird schon nicht so schlimm sein, nach ein paar Kilometern isses dann aber doch schlimm. Die Vorglühanzeige gesellt sich zu den beiden anderen Unheilsverkündern und macht ernst, die Leistung geht weg, nu blinkt sie auch noch und das Auto mag nicht mehr schneller als 100 fahren. Verdammt.
Ich schleppe uns und das waidwunde Vehikel noch bis zum nächsten Parkplatz, dann ist Schluß, weiter traue ich mich nicht mehr. Auch mehrere Startversuche bringen nichts, Autos sind halt keine Computer. Doch, schon, irgendwie, jaja, aber nicht so, dass es uns jetzt konkret was gebracht hätte. Was nun, was tun, klar, den ACDC anrufen, man ist ja schließlich Plus-Mitglied. Die App erledigt auch schnell den Datenaustausch, man wird geortet und muss halt warten. Aber die Situation ist doch nunmal so: es ist Sonntag, das Auto ist kaputt, man wird uns abschleppen, an irgendeine Werkstatt bringen und ne Übernachtung spendieren, damit Montags das Auto repariert werden kann, bestenfalls, jedenfalls.
Als der freundliche Herr Schmidt vom ADAC eintrifft, bestätigt er zunächst die schlimmsten Befürchtungen. Bestenfalls isses nur der Sensor, dann wirds billig und kann normalerweise schnell gemacht werden. Schlimmstenfalls isses der blöde Filter, dann wirds teuer und kompliziert. Er kennt aber nen Abschlepper, der heute zufälligerweise Notdienst hat und dazu noch ne VW-Werkstatt. Den will er uns schicken. Hoffnung keimt auf, nach einer weiteren Stunde ist der besagte Abschlepper da, nimmt das Büchermobil huckepack und bringt uns zu seiner gar nicht kleinen Werkstatt ins beschauliche Uffezheim. Wenns nur der Sensor sei, so sagt er, könne es sein, dass er einen da habe und ihn uns direkt einbauen könne. Der Filter selbst sei unwahrscheinlich, denn den könne man mit einem entsprechenden Wartungsprogramm frei brennen. Wir schicken mehrere Stoßgebete gen Himmel, kann nix schaden, obwohls ja Quatsch ist. Und tatsächlich, er steckt den Kopf aus der Lagertür, grinst und zeigt das entscheidende Bauteil. Dieses ist auch noch in Windeseile ausgebaut und getauscht, weil super erreichbar im Motorraum. Leider müsse er uns einen Zuschlag für die Arbeitszeit berechnen, sagt er. Das nehmen wir lächelnd hin und nach einer Fahrt, bei der ich einen Computermonitor auf dem Schoß haltend diesen flehend anstarre, ist der Filter tatsächlich wieder regeneriert. Nur die blöde Glühwendel blinkt immer noch, was mich nochmal kalkweiß werden lässt. Der freundliche Herr grinst nur dazu, klickt einmal kurz im Diagnoseprogramm, startet den Motor neu und alles ist gut. Wir zahlen den sehr urlaubskassenfreundlichen Betrag von 150 € inklusive Ersatzteil und legen noch ein gutes Trinkgeld drauf, bedanken uns von ganzem Herzen und setzen unsere Fahrt fort.
Soviel Schwein auf einem Haufen gibts gar nicht. Hätte ich morgens die anderen Autobahnen genommen, wären wir definitiv nicht angekommen. Unglaublich.
Ach ja: der freundliche Herr Schmidt vom ADAC hatte auf seinem Wagen übrigens die Service-Nr. 10 90 4. Kannste dir nicht aus- und trotzdem sich jeder seinen Teil denken.
Hier also zuerst ein paar Eindrücke vom Welcome-Abend am Sonntag. Viel zu erzählen dazu gibts nicht, ein paar warme Worte von den Gastgebern schon. Dazu noch bisschen was zum Ablauf der nächsten Tage von der Fanbetreuung, Freigetränke und halt Fotos, vor allem vom Wetter.

 

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Der Regenguß vom Sonntag war leider nur eine Kostprobe, den ganzen Montag kübelt es wie aus Schütten, so dass wir den Tag mit Geldausgeben, essen und schlafen verbringen müssen. Die absolute Hölle.
Dienstag wird das Wetter etwas besser, so dass man mal etwas mehr als einen kurzen Sprung zwischen Haus- und Autotür wagen kann. Also erkunden wir mal ein wenig die Gegend, jedoch nicht ganz ohne Dusche von oben. Meine Kommentare zum Wetter kommen beiden Mitwanderern gut an, das „Guckt mal, dahinten wird’s schon heller!“ soll uns noch durch die ganze Woche begleiten. Nachmittags kommen dann auch die Hauptdarsteller der Woche an.
Mittwochmorgen also das erste Training in Mittersill, was außer der 70er-Jahre-Gedächtnistrageweise der Sporthose von Breel Embolo auffällt, ist der Spaß und das Engagement, mit dem die Protagonisten zu Werke gehen. Weniger Spaß macht das Spiel am Nachmittag, es schüttet wieder und ich persönlich hätte nicht gedacht, dass das Ganze überhaupt stattfindet. Der Schiri sieht das aber anders, das Fernsehen auch und so sehen wir vom Auflieger eines LKW ein Spiel, dass Frankfurt 74 alle Ehre macht. Sogar eine anscheinend original Wasserwalze kommt zum Einsatz, die hier und da mal ein Rad verliert. Toll. Das ist aber auch schon das Bemerkenswerteste am ganzen Spiel, außer man steht auf Flachwitze wie „Spieler X ist ganz abgetaucht“ oder „Der Spielfluss stellt sich nicht ein“ oder „Arschbombe, hihihi“, so wie ich. Fotos davon gibt’s aus Sorge um die teure Kamera und dem exorbitanten Tribünenplatz nicht.

Bilder vom 26.07.2017

 

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Donnerstag stehen unter anderem Sprints in Intervallen auf dem Programm, bei denen sich unser neuer Trainer durchaus hervortat. Er setzt allerdings zwischendurch immer mal wieder aus und ist somit außerhalb jeder Wertung. Erste Spielformen sind auch dabei, der Trainer unterbricht immer wieder und spricht mit den Spielern.

Bilder vom 27.07.2017

 

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Direkt nach dem Training fahren wir zum Wildkogel, wo am Abend die blauweiße Nacht stattfinden soll. Ich werde jetzt erstmal einfach nur den Ablauf beschreiben und am Schluss kurz zusammenfassen, was ich von dem ganzen persönlich halte.
Aufgrund der Anzahl der verteilten Bändchen zur ebensolchen kann die Beförderung per Seilbahn am Abend eigentlich nur zum Chaos werden, denken wir. So nutzen wir den Nachmittag für eine entspannte Gipfelwanderung, Speckbrot sowie eine ordentliche Naturdusche. Dahinten wurde es auch wieder heller, leider aber erst, als wir unser Ziel fast erreicht hatten. Klatschnass erreichen wir den Ort des Geschehens, ziehen uns um und positionieren uns strategisch günstig für den Abend. Nach dem 08/15-Essen folgt das Warten auf das befürchtete Chaos. Wir hatten so auf halb acht als Beginn getippt, dann sollten alle oben sein. Als die Mannschaft dann endlich die Örtlichkeit betritt ist es 21 Uhr geworden. Reichlich Zeit, um den gastgebenden Gastronomen zu ordentlichem Umsatz zu verhelfen sowie von Sponsoren mit Geschenken versorgt zu werden. Naja.
Die Mannschaft wird also in Gruppen auf die verschiedenen Räumlichkeiten verteilt, nimmt das aber anscheinend nicht ganz so genau. Unser strategisch günstig gewählter Tisch ist kein solcher, wie sich herausstellt, aber die Strategie hat die Rechnung ohne Anne gemacht. Sie verschwindet kurz und schwupps, sitzt Bastian Oczipka bei uns am Tisch. Sehr sympathisch, der Kerl und völlig ohne Berührungsängste. Anne verschwindet kurz nochmal und hat dann zu unserer aller Erstaunen zwei weitere Spieler im Schlepptau, Denis Wieszolek und den aufgrund seines bisherigen Auftretens vom mir sehr geschätzte Luke Hemmerich. Wie wir später erfahren, hat Anne bei unserem Käptn insistiert und angemerkt, dass es ja wohl nicht sein könnte, dass Spieler zu viert an einem Tisch sitzen und die sich gefälligst mal ein wenig verteilen sollen. Der hat das sofort getan und so haben sich die beiden wohl einfach an Anne dran gehängt und sind dann an unserem Tisch gelandet. Sachen gibt’s.
Da die beiden auf meiner Seite des Tisches landen, erfahre ich dies und das durchaus interessante. Der Smalltalk wird jedoch immer wieder unterbrochen, denn bei uns sowie an den anderen Tischen stapeln sich die Autogramm- und Selfiejäger. So mache ich abwechselnd Fotos mit angereichten Handys, hebe Kinder über den Tisch oder reiche Trikots an. Richtige Gespräche, wie sonst an solchen Gelegenheiten, können so nicht zustande kommen. Rainer fragt Luke noch nach seinem fußballerischen Vorbild, der druckst ein wenig herum, und so mische ich mich ein:“Hömma, Luke, wenn dich jemand jemals wieder sowas fragt, gibt es nur eine mögliche und richtige Antwort: Jiri Nemec!“ Die Antwort darauf sei ihm verziehen, er war ja damals noch nicht mal auf der Welt.
Nach einer Stunde ist dann der Spaß vorbei und die Mannschaft fährt zurück ins Tal. Wir warten noch ein halbes Stündchen und fahren dann auch wieder runter.

Achtung, es folgt eine persönliche Meinung zu dem ganzen eben Beschriebenen!

Jetzt könnte man sagen, was beschwerst du dich denn, du hast doch 3 Spieler am Tisch gehabt! Sicher, aber bei weitem nicht jeder hatte das Glück, eine Anne am Tisch zu haben, geschweige denn, mal ein paar Takte mit den Hauptdarstellern der neuen Saison zu wechseln, im Gegenteil. In dieser Form ist der eigentliche Höhepunkt jedes Trainingslagers, das „Bonbon“ des Vereins an die Fans, eine Farce. Die blauweiße Nacht ist keine Autogrammstunde, sie ist keine Signierstunde und erst recht keine Fotostunde für die Kinder. Dafür gibt es die Saisoneröffnung. Es ist weiterhin keine Marketingveranstaltung für Sponsoren und schon gar keine Veranstaltung, um sich persönlich zu bereichern. Da kamen doch tatsächlich netzeweise Bälle und anderer Kram mit der Gondel nach oben, um hier für einen Zehner zum Zwecke des Signierenlassens vertickt zu werden. Weiterhin reichte es, einfach um 18 Uhr an der Bahn zu sein, die ausgegebenen Bändchen wurden nie kontrolliert. Es kann nicht sein, dass nicht wenige dieser Treuesten schon frustriert wieder den Heimweg angetreten haben, bevor die Mannschaft überhaupt anwesend war.
Die blauweiße Nacht ist die Gelegenheit für diejenigen, die das ganze Jahr der Mannschaft hinterherfahren und dann noch ins Trainingslager kommen, mal etwas persönlichen Kontakt zur Mannschaft zu bekommen, eine Belohnung für die Treuesten halt. So war es jedenfalls bisher, wenn auch hier und da schon mal andere Ansätze da waren.
Aber wie kann mans besser machen? Ein Ansatz wäre vielleicht, bei Trainingsbesuchen Stempel zu sammeln, ähnlich wie das Auswärtspunktesystem, um dann als einer von vielleicht hundert bis hundertfünfzig an der blauweißen Nacht teilnehmen zu dürfen. Eine andere Idee wäre, einfach Plätze zu verlosen. Es kann jedenfalls nicht sein, dass die ausgegebenen Bändchen, die zur Teilnahme berechtigen sollten, nicht mal kontrolliert wurden. In dieser Form macht es jedenfalls für mich keinen Sinn.
Das ganze Trainingslager wirkte aufgeblasen wie noch nie, sicherlich auch dem Kooperationsvertrag mit der Ferienregion geschuldet. Ist auch gar nicht schlimm, die Region kann und soll ja durchaus von uns Bekloppten profitieren. Kein Problem. Man sucht sich halt seine Gruppe mit Gleichgesinnten und hat trotzdem eine wunderbare Zeit.

Nur, bitte, lasst uns doch diese eine Veranstaltung, die noch etwas von der vielbeschworenen Fannähe hat.

Ich habe allerdings auch nicht wenige Meinungen gelesen, die alles supidupi toll fanden. Wenn das so ist und es in Zukunft weiterhin in diesem Stil durchgezogen wird, muss man es halt akzeptieren und die Konsequenzen, in welcher Form auch immer, ziehen.

Bilder Blauweiße Nacht

 

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Freitags standen dann Schußübungen auf dem Plan. Nun ist es so, dass das Einschießen vor den Spielen schon immer eine besondere Belustigung für mich darstellt, ob der gezeigten Leistungen. Was aber hier abging, war das pure Grauen. Nicht wenige Bälle landeten aus 16 Metern über dem Fangzaun und den angrenzenden Tennisplätzen. Kein Wunder, unsere Torausbeute.

Bilder vom 28.07.2017

 

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Samstag, unser letzter Tag bei den Trainings (danke nochmal für China). Spielformen, die immer wieder für Ansprachen durch den Trainer unterbrochen wurden.

 

Bilder vom 27.07.2017

 

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Sonntag brechen wir dann in unseren neuen Urlaubsort auf, verpassen dadurch Training und Spiel (habe ich schon danke gesagt, China?), was sich im Nachhinein nicht als so schlimm herausstellt.
Eine insgesamt traumhafte Woche geht zu Ende, die wir mit alten und neuen Freunden verbringen durften. Danke an alle, von ganzem Herzen. Dafür ist es da, so ein Trainingslager. Wenn da nicht der Makel mit der blauweißen Nacht wäre, könnte man sagen, es war das beste Trainingslager aller Zeiten, so alles in allem. Und trotz des Wetters, aber dahinten wird’s ja schon heller!

2 thoughts on “Mittersill 2017 oder: Dahinten wird’s schon heller!

  1. Cooler Bericht, Feedback zur Blau-Weißen Nacht sehr zutrefffend. Allerdings verstehe ich das China-Problem nicht wirklich, da das Trainingslager ursprünglich von Montag bis Montag angesetzt war und wegen China einen Tag nach hinten verlegt wurde.

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