Murgleiter – Etappe 1

Murgleiter – Etappe 1

Um Hape Kerkeling zu zitieren: „Mann, bin ich gebeutelt!“

Das war schon extrem heute, die Hitze. Und ich komme auch erst um halb elf auf die Piste. Das hat zum einen nahrungstechnische, zum anderen wochentagtechnische und zu guter letzt  bahntechnische Gründe. Frühstück gibt’s hier erst ab 8, die Bäckereien öffnen auch erst um diese Zeit und ich muss noch ne dreiviertel Stunde bis zum Ausgangspunkt fahren. Verdammt.

Also geht’s los beim Unimog-Museum (ja, sowas gibt’s tatsächlich) in Gaggenau, eigentlich aber schon an der Bahnstation, denn von da bis da isses auch schon ein guter Kilometer. Ich habe mein Auto an den Endpunkt der Etappe gestellt und fahre mit der Bahn zu eben jenem Museum. Da mich das Ganze aber so gar nicht interessiert, suche ich rund ums Museum das groß angekündigte „Murgleiterportal“, werde aber nicht fündig. Also drauf geschissen und los.

Es geht moderat los, langsam steigt der Weg  hoch Richtung Ruine Ebersteinburg. Noch ist es angenehm zu laufen, das soll sich später deutlich ändern. Ich komme an einem tadellosen Waldschwimmbad vorbei, das jedoch mit Abwesenheit von jeglichen Spuren des für sich elementarsten Elements glänzt. Seltsam. Mir begegnet kein Mensch, bis kurz unter der Ruine, wo mich schnaufenden Greis ein junges Paar in Turnschuhen und völlig ungeschwitzt überholt. Ein wenig hasse ich sie schon, für den Moment. Dann bin ich auch oben auf dem ersten von zwei Hindernissen für heute. Ich biege um eine Ecke und stehe plötzlich auf einem Parkplatz. Aha, man kann also hier auch einfach mit dem Auto hochfahren. Das haben auch schon ganz viele Menschen getan, so dass das angestrebte obligatorische Gipfel-Spezi ausfällt, weil einfach alle Tische besetzt sind. Affen. Alle.

Das war schon ganz schön hart bis hier hin, mir kommen Zweifel, ob ich das Ganze durchhalte. Bange machen gilt aber nicht, deswegen erstmal Pause mit „der Mini-Salami“ und wunderbaren Brezen auf einer schattigen Bank. Mir kommt ein unglaublich schwitzender und stöhnender Mann in meinem Alter entgegen. Ich muss lachen und er auch. So sah ich wohl auch eben aus.

Nach dem Imbiss geht’s doch schon besser. Mittlerweile ist es aber doch extrem heiß geworden und ich bin froh, dass der Weg meist im Schatten verläuft. Herrliche Ausblicke entschädigen zumindest ein wenig für die Plackerei und das entgangene Spezi. Es geht bergab in die Wolfsschlucht und auch wieder raus, und plötzlich stehe ich mitten im Wald vor einem Umleitungsschild.

Angeblich ist der Weg ab hier gesperrt und als guter, deutscher Beamter folge ich natürlich der amtlichen Anweisung. Zumindest für 500 Meter, dann werfe ich einen Blick auf die Karte und sehe, dass die Umleitung mindestens drei zusätzliche Kilometer bedeuten würden. Also verstoße ich gegen mindestens 5 Bundes- und 3 Landesgesetze und gehe zurück, furchtlos um das Absperrungsschild. Dahinter befindet sich zwar tatsächlich eine Baustelle, aber sonntags ist dann doch eher wenig los hier. Also kein Problem, obwohl ich jetzt bestimmt auf mehreren Fahndungslisten stehe.

So erreiche ich das Hotel Wolfsschlucht, an dem der Aufstieg zum Merkur beginnt. Und der hats in sich. Nach 500 Metern kommt die Gewissensentscheidung: nach rechts drei Kilometer zur Bergbahn oder nach links vier Kilometer bergauf. Da ich schon straffällig geworden bin, gehe ich brav nach links. Fataler Fehler. Die Kehren nehmen kein Ende, anderthalb Stunden quäle ich mich bergan. Das war hart, sehr hart. Oben angekommen ist Kirmes. Unglaublich dicke Menschen füllen sich mit allem, was die Karte hergibt. Ich bin im Schlaraffenland. Das Schlaraffenland hat aber nur noch einen Tisch in der gleißenden Sonne für mich übrig. Also schnell zwei Gipfelspezi stürzen und weg.

Ausblick gibt’s hier auch, und zwar vom Feinsten. Bergab schieben sich dann Menschenmassen in Flip-Flops, Sandalen und jedem denkbaren ungeeigneten Schuhwerk. Denn es ist steil, sehr steil sogar, kniezertrümmernd steil. Gottseidank geht mein Weg alsbald links weg und ich bin wieder alleine. Geht schon schneller bergab, allerdings wie schon gesagt auch nur mit Schmerzen und in der direkten Sonne.

Sind zwar nur noch vier Kilometer, aber die ziehen sich wie Kaugummi. Außerdem wird’s noch heißer, je tiefer ich komme. Ich verpasse dann auch noch ne Abzweigung und muss die letzten beiden Kilometer über die Straße latschen. Der namensgebende Fluss hat hier und weiter flussaufwärts einige Staustufen, wird immer wieder abgeleitet und missbraucht, für die papierverarbeitende, die holzverarbeitende und so manch andere Industrie.

Ich erreiche Gernsbach und somit mein Auto fast auf die Minute nach 7,5 Stunden Laufzeit inklusive Pausen, platt, aber sehr zufrieden. 7-8 Stunden waren laut Wanderführer angesetzt, ich bin zufrieden. Zwischendurch hatte ich so meine Zweifel, ob das Tageslicht ausreichen würde.

Das Laufen hat was. Man öffnet sich, es beginnt zu arbeiten in einem. Ich hatte mir für die Woche ein paar Entscheidungen für meine Zukunft vorgenommen. Nach dem heutigen Tag bin ich zuversichtlich, dass diese reifen und fallen werden. Schaun wir mal.

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