Murgleiter – Etappe 4

Murgleiter – Etappe 4

Über die Füße beschwer ich mich nicht mehr. Die machen schon gut mit, im Großen und Ganzen. Der linke Fußballen hat gestern schon extrem weh getan, heute Nacht muss er dann irgendwann still und leise verstorben sein. Ruhe in Frieden. Jedenfalls merk ich nix mehr. Vielleicht haben die Füße aber auch einfach aufgegeben, ihr Besitzer hört ja sowieso nicht auf sie, der Arsch.

Versprochen sind heute 23,4 Kilometer und 7-8 Stunden Gehzeit insgesamt, zwischendrin sind auf den wegbegleitenden Schildern komische Sprünge in den Entfernungen (zu meinen Ungunsten natürlich) und meine App sagt am Ende was von 29,8 Kilometern insgesamt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

Der Wandertag beginnt um halb zehn mit einer eher langweiligen, aber anstrengenden Runde von 5 Kilometern zwischen 2 Punkten, die eigentlich nur einen Kilometer voneinander entfernt sind. Naja. Danach geht’s hoch Richtung Hutzenbachsee, anfangs sehr steil, man kann nicht mal den ganzen Fuß aufsetzen. Danach wird’s moderat, man kann gut ausschreiten. Es sind noch gut 2 Kilometer zum See, als die Kacke losgeht. Ich werde immer langsamer, mir wird kotzübel, sehe Sterne, habe das Gefühl, rückwärts zu laufen, friere. Komisch, dabei habe ich ausreichend getrunken, gegessen wie immer und die Mittagspause will ich am See machen. Unbegreiflich. Ich schleppe mich die letzten Meter zum See hin, finde eine gute Stelle und breche eher zusammen, als dass ich mich hinsetze. Verdammt, was ist das denn? Hungerast. Mir geht’s wie weiland Ulle gegen Pantani. Anfängerfehler.

Langsam komme ich zur Ruhe und trinke erstmal was mit Zucker und Wasser abwechselnd. Langsam geht’s besser, frieren tu ich auch nicht mehr und ich fange vorsichtig an zu essen. Scheint zu gehen. Ich beschließe, hier mal was länger als normal Pause zu machen und genieße die wirklich atemberaubende Natur. Blühende Seerosen, Libellen, toll. Langsam nähern sich zwei Enten und meinen, ich sei ihr neuer bester Kumpel. Gute Kumpel sind füreinander da und ich gebe eine Runde Brezelreste aus.

Nach ner guten Stunde bin ich wiederhergestellt und mache mich auf den Weg. Der geht rechts hoch auf einen Pfad, der ungewöhnlich oft von umgestürzten Bäumen blockiert wird. Überhaupt ist das hier völlig unaufgeräumt und wunderschön im Wald. Da erinnere ich mich, dass ich ja jetzt im Naturpark bin, klar, unten war ja so ein Schild. Der Pfad ist steil, aber so wunderbar wie noch nichts auf dem Weg. Im nu bin ich die Bergflanke hoch und habe einen tollen Blick auf den See.

Der weiter Weg wird noch schöner, es geht durch ein Hochmoorgebiet, man läuft wie auf Wolken, der Boden federt bei jedem Schritt. Dazu die unglaubliche Vogelgeräuschkulisse, fantastisch. Mit Abstand bis jetzt der schönste Teil der gesamten Wanderstrecke. Da stört auch der mördersteile Abstieg ins Tonbachtal nur wenig. Das ist ebenso wunderschön und könnte im oberen Teil gut irgendwo in den Alpen liegen. Leider bleibt das nicht so, weiter unten stapeln sich die Riesenhotels, furchtbar.

Die letzten 5 Kilometer sind anstrengend und ziehen sich wie Kaugummi. Irgendwann bin ich dann tatsächlich durch. Ich beschließe, am Ende des Tages durch meine atemberaubende Maultaschentechnik noch die halbe bestellte Suppe über mein Bein zu schütten. Kann auch nicht jeder.

Morgen ist dann Endspurt. Finale. Ich habe nicht vor, in die Verlängerung zu gehen.

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